Kurz beantwortet: was der KI-Reifegrad zeigt
Der KI-Reifegrad eines Franchisesystems zeigt, wie weit KI nicht nur in der Zentrale, sondern auch in den Partnerbetrieben verankert ist, von Werkzeugen über Daten und Regeln bis zur Kompetenz der Menschen. Einen offiziellen Vergleichswert speziell für Franchisesysteme gibt es nicht; aktuelle Studien für die Gesamtwirtschaft zeigen aber, dass die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI inzwischen nutzt und kaum eines das Potenzial ausschöpft. Für eine ehrliche Standortbestimmung zählt deshalb weniger, ob Ihr System KI einsetzt, sondern wie gleichmäßig das über alle Standorte geschieht. Stand: Oktober 2026.
Was die Studien über die Gesamtwirtschaft sagen
Drei aktuelle Erhebungen liefern Anhaltspunkte, allerdings mit unterschiedlicher Methode. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen.
- Die Bitkom-Studie vom 14. September 2026 (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, befragt im Sommer 2026) ergibt: 57 Prozent der Unternehmen setzen KI ein, 38 Prozent planen oder diskutieren es, für 4 Prozent ist KI kein Thema. Im Vorjahr lag der Anteil der Nutzer bei 36 Prozent.
- Das ifo Institut kommt in seiner Umfrage vom Mai 2026 auf 54,5 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen, nach 40,9 Prozent im Vorjahr.
- Die amtliche Statistik des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025 zeigt einen niedrigeren Wert: 26 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten nutzten KI-Technologien.
Die amtliche Statistik misst anders und bildet einen früheren Zeitraum ab, zeigt aber deutlich, wie stark die Unternehmensgröße eine Rolle spielt:
Anteil der Unternehmen, die KI-Technologien nutzen; Statistisches Bundesamt, Erhebungsjahr 2025.
Nutzung ist nicht gleich Reife
Auch die Tiefe der Nutzung ist gering. Laut Bitkom gibt kein Unternehmen mit KI-Einsatz an, das Potenzial vollständig auszuschöpfen, nur 3 Prozent nutzen es nach eigener Einschätzung eher stark. 66 Prozent der befragten Unternehmen schätzen die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten als gering ein.
Warum der Reifegrad im Franchise ungleich verteilt ist
Für Franchisesysteme ist die Größenabhängigkeit aufschlussreich. Die Zentrale ist oft ein mittleres oder großes Unternehmen, viele Partnerbetriebe dagegen sind klein. Laut der Studie des Deutschen Franchiseverbands zur Franchisewirtschaft 2024 (84 teilnehmende Systeme) hat ein System im Schnitt 80 Partner und 130 Standorte. Der Reifegrad eines Systems ist also fast immer ungleich verteilt.
Dieselbe Studie zeigt, dass Digitalisierung weit oben auf der Agenda steht: Die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen nennen 76 Prozent der Systeme als Top-Thema, die Digitalisierung interner Prozesse 64 Prozent. KI-Quoten weist die Studie nicht aus.
Für die Standortbestimmung folgt daraus: Ein einziger Wert für das ganze System verdeckt mehr, als er zeigt. Sinnvoller ist ein Bild, das Zentrale und Partnerbetriebe getrennt ausweist und die Lücke zwischen beiden sichtbar macht.
Die fünf Bereiche einer Standortbestimmung
Ein Reifegrad-Modell ist ein Werkzeug zur Orientierung, kein Gütesiegel. Wir betrachten Franchisesysteme in fünf Bereichen, jeweils getrennt für Zentrale und Partnerbetriebe.
Werkzeuge
Welche KI-Werkzeuge sind im Einsatz, wer hat Zugang, und sind sie offiziell eingeführt oder privat genutzt? Ein System, in dem Partner kostenlose Konten mit Kundendaten füttern, hat zwar Nutzung, aber keinen Reifegrad.
Daten
Sind Standortdaten, Kundendaten und Marketingdaten an einer Stelle gepflegt und für KI nutzbar? Ohne saubere Stammdaten bringen auch gute Werkzeuge falsche Ergebnisse. Laut Bitkom nennen 50 Prozent der KI-Anwender die Datenaufbereitung als großen Kostenfaktor.
Regeln
Gibt es eine KI-Richtlinie, die festlegt, welche Werkzeuge erlaubt sind, welche Daten hineindürfen und wie Inhalte gekennzeichnet werden? Ist das im Franchisevertrag oder im Handbuch geregelt? Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Art. 50 der KI-Verordnung (FGS, EU AI Act); dies ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wie eine solche Regel aussehen kann, zeigt unser Beitrag zur KI-Richtlinie im Franchisevertrag.
Kompetenz
Wurden Zentrale und Partner geschult, und gibt es Ansprechpersonen? Art. 4 der KI-Verordnung behandelt die KI-Kompetenz. Nach der Änderung durch die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 wird daraus laut FGS eine Pflicht, KI-Kompetenz zu fördern, statt sie sicherzustellen. An der praktischen Bedeutung von Schulungen ändert das wenig.
Wirkung nach außen
Wie sichtbar ist das System in KI-Antworten und auf Karten? Findet ein KI-Assistent die Standorte, stimmen die Angaben? Dieser Bereich zeigt, ob die Arbeit innen auch bei Kunden und Interessenten ankommt.
Vier Stufen zur Einordnung
Die folgenden Stufen sind ein eigenes, vereinfachtes Modell von KI-Radar und keine statistische Klassifizierung. Sie helfen, das eigene System ehrlich einzuordnen.
Eigenes, vereinfachtes Modell von KI-Radar. Die meisten Systeme stehen in einzelnen Bereichen auf unterschiedlichen Stufen.
Typisch ist ein gemischtes Bild: Die Zentrale ist bei den Werkzeugen auf Stufe drei, die Partnerbetriebe bei der Kompetenz auf Stufe eins, und bei den Regeln gibt es noch nichts Schriftliches. Genau diese Lücken sind der Ausgangspunkt für die nächsten Schritte.
Wichtig ist, die Stufen nicht als Rangliste zu lesen. Ein System, das bewusst nur in zwei Bereichen Stufe drei anstrebt, kann besser aufgestellt sein als eines, das überall halbherzig Werkzeuge einführt.
Wie Sie die Standortbestimmung praktisch angehen
Beginnen Sie mit einer kurzen Befragung: fünf bis zehn Fragen an die Zentrale und an alle Partner, etwa welche Werkzeuge genutzt werden, ob Schulungen stattgefunden haben und wo der größte Zeitaufwand im Marketing liegt. Ergänzen Sie das durch eine Prüfung von außen: Wie vollständig sind die Google-Unternehmensprofile, wie tauchen die Standorte in KI-Suchen auf?
Wichtig ist, die Ergebnisse den Partnern zurückzuspielen. Eine Befragung ohne Rückmeldung senkt die Bereitschaft, beim nächsten Mal mitzumachen. Eine strukturierte Fragenliste für Zentralen bietet unser KI-Reifegrad-Check für Franchisegeber.
Planen Sie für die erste Runde einen überschaubaren Rahmen ein, etwa wenige Wochen für Befragung, Auswertung und Rückmeldung. Wiederholt im Jahresabstand, zeigt dieselbe Befragung dann, ob sich die Lücke zwischen Zentrale und Partnern schließt. Das ist aussagekräftiger als jeder einmalige Vergleich mit fremden Zahlen.
Checkliste
- Reifegrad getrennt für Zentrale und Partnerbetriebe erheben.
- Alle genutzten KI-Werkzeuge erfassen, auch privat genutzte Konten.
- Prüfen, ob Standort- und Kundendaten zentral gepflegt und nutzbar sind.
- Vorhandene Regeln zu KI im Handbuch oder Franchisevertrag sichten.
- Schulungsstand und Ansprechpersonen in Zentrale und Betrieben festhalten.
- Sichtbarkeit der Standorte in KI-Antworten und auf Karten stichprobenartig prüfen.
- Ergebnisse an alle Partner zurückmelden und die nächsten Schritte benennen.
Wie aus der Bestandsaufnahme ein Einführungsplan wird, beschreibt unsere Seite KI-Strategie und Einführung im Franchise.
FAQ: KI-Reifegrad im Franchise – die wichtigsten Antworten
Der Reifegrad macht die Lücke zwischen Zentrale und Partnern sichtbar.
Eine Reifegrad-Bestimmung ist für Franchisesysteme vor allem ein Mittel, die Lücke zwischen Zentrale und Partnerbetrieben sichtbar zu machen. Die Studien zeigen, dass KI in der Breite angekommen ist, aber kaum jemand ihr Potenzial ausschöpft; das dürfte nach unserer Einschätzung für viele Systeme ebenso gelten.
Die Einschränkung: Es gibt keine belastbaren Vergleichszahlen speziell für Franchisesysteme in Deutschland, und jedes Stufenmodell vereinfacht. Nutzen Sie es als Gesprächsgrundlage, nicht als Rangliste.